gleicher Augenhöhe
Spezialisten im Verbund
Einige kleinere Betriebe bevorzugen einen Zusammenschluss auf gleicher Augenhöhe - wie zum Beispiel die ,4 Asse' aus Salzgitter.
So bezeichnen sich die Handwerksbetriebe von Rene Budries (Bau- und Möbeltischlerei), Marco Finner (Fliesen und mehr), Marko Lutz (Elektro, Sanitär & Heizung) sowie Andre Reinheckel (Fußbodentechnik und Asbestsanierung) selbst. Als jeweilige Spezialisten im eigenen Fachgebiet bilden diese vier Handwerksbetriebe nach eigenem Verständnis gemeinsam „ein unschlagbares Team" und das funktioniert so: „Wir hatten kürzlich eine ältere Dame, deren Mann verstorben war", erläutert Budries an einem Beispiel. „Dadurch hatte sie Geld geerbt und wollte es in ein neues Badezimmer mit Holzdecke und elektrischer Beleuchtung investieren."Weil die ,4 Asse' aus Salzgitter bereits seit mehr als einem Jahr einen festen Verbund bildeten, habe die Ansprache eines Einzelnen der Partner ausgereicht.
Budries: „Da gab es dann für die Kundin keinen Koordinierungsaufwand mehr, es reichte ein Termin." In der Folge stimmten sich die beteiligten Handwerksbetriebe untereinander ab. Alle Arbeitsabläufe wurden vorab koordiniert, was auch noch eine deutliche Zeitersparnis brachte. Am Ende gab es zum vorher abgesprochenen Festpreis auch nur eine Rechnung.
„Dieses Verfahren hat für alle Beteiligten Vorteile", berichtet Budries, dessen Bau-und Möbeltischlerei mit 15 Mitarbeitern im Gewerbegebiet Peiner Straße in Salzgitter-Engelnstedt liegt. So ist auch die Auslastung der am Verbund beteiligten Handwerksbetriebe um 10 bis 15 Prozent gestiegen. Budries rechnet als Betriebsingenieur mit abgeschlossenem Betriebswirtschaftsstudium ohnehin in vielen Belangen mit spitzem Bleistift.
Energieeffizienz etwa wird in seiner Tischlerei großgeschrieben. In den Hallen der Tischlerei ist der Heizungsverbrauch sechsmal so niedrig und der Stromverbrauch fünfmal so niedrig wie in einem Durchschnittsbetrieb. In der Kooperation mit anderen Handwerksbetrieben liegt für den 39-Jährigen die Zukunft. „Auch wenn das noch längst nicht jeder Betriebsinhaber so sieht."
Doch woran liegt es, dass sich Handwerksbetriebe in der Regel eher immer noch als Einzelkämpfer sehen? „Kooperationen sind so alt wie das Handwerk selbst und daher immer schon Thema gewesen", weiß Eckhard Sudmeyer, Geschäftsführer und Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung der Handwerkskammer Braunschweig. Als Betriebsgrößenausgleich für kleinere Unternehmen seien sie ein „gutes Mittel" zusätzliche Aufträge und damit eine bessere Auslastung zu erreichen. Doch das setze immer auch eine gewisse Kooperationswilligket undl -fähigkeit voraus.
„Nicht jeder Handwerker mag jedoch Kooperationen, die bis ins letzte Detail vertraglich geregelt sind", so Sudmeyer weiter. Das hängt nicht zuletzt mit Betriebsgrößen zusammen: Häufig ist der Chef derjenige, der alles macht: planen, kalkulieren, koordinieren und selbst auch noch mit Hand anlegen. „Da fehlen oft einfach Strukturen im Betrieb." Dennoch gibt es immer wieder Bestrebungen, im Handwerk zu festeren Netzwerken zu kommen, etwa aktuell im Elektrobereich, bis hin zu einem bundesweiten Franchise-System wie das der ,Hand-in-Hand-Werker'.
